Gute Untertitel geben wieder, was in einem Video gesagt wird, aber nicht nur das. Sie erleichtern das Verständnis, wenn die sprechende Person einen starken Dialekt oder Sprechschwierigkeiten hat, und ermöglichen Menschen mit Hörbeeinträchtigung, das Video durch Mitlesen zu verstehen. Über das gesprochene Wort hinaus kennzeichnen gute Untertitel auch, wer gerade spricht, weisen auf Hintergrundgeräusche und Musik hin, oder drücken Emotionen aus. Damit Untertitel wirklich barrierefrei sind, müssen Textmenge, Standzeit, Schriftart und Einstellungen gut durchdacht sein. Dieser Artikel erklärt die Kriterien, die dabei zu beachten sind.
Empfehlungen statt festgesetzter Normen
Für Untertitel gibt es Empfehlungen, aber keine festgesetzten internationalen Normen. Die Empfehlungen in diesem Artikel richten sich vorrangig an das luxemburgische Publikum. Für öffentliche Stellen und Medienanbieter legt die europäische Norm EN 301 549 jedoch verbindliche Anforderungen fest, die Untertitel erfüllen müssen.
Wem nützen Untertitel?
Untertitel erleichtern das Verständnis, wenn die sprechende Person einen starken Dialekt oder Probleme beim Sprechen hat. Menschen mit Hörbeeinträchtigungen können das Video verstehen, weil sie das Gesprochene mitlesen können. Außerdem können Untertitel zusätzliche Informationen vermitteln, die über das gesprochene Wort hinausgehen: die Kennzeichnung der sprechenden Person, Hinweise auf Hintergrundgeräusche und Musik, oder der Ausdruck von Emotionen. Sie nützen auch Menschen, die die in einem Video gesprochene Sprache gerade lernen, sowie allen, die ein Video ohne Ton ansehen, etwa mangels Kopfhörer oder an einem lauten Ort.
Welche Arten von Untertiteln gibt es?
Man unterscheidet grundsätzlich drei Arten von Untertiteln. Closed Captions lassen sich von der zuschauenden Person ein- und ausschalten, sodass jede und jeder selbst entscheiden kann. Open Captions sind fest in das Bild eingebrannt und daher immer sichtbar; sie sind nützlich auf Plattformen, die noch keine schaltbaren Untertitel anbieten, wie Instagram. Live-Untertitel werden automatisch in Echtzeit erzeugt, etwa bei einer Live-Übertragung; ihre Qualität ist in der Regel schlechter als bei vorab erstellten Untertiteln.
Drei Kriterien für wirksame Untertitel
Einstellungen und Positionierung
Ein barrierefreies Video sollte die Möglichkeit bieten, Untertitel ein- und auszuschalten, da sie für manche Menschen störend sein können. Untertitel sollten immer am unteren Bildschirmrand stehen, damit sie keine wichtigen Informationen verdecken.
Schrift und Kontrast
Untertitel müssen auch auf kleinen Bildschirmen lesbar sein, mit einer höheren Schriftgröße als gewöhnlich. Wie bei barrierefreien Dokumenten werden serifenlose Schriften (Arial, Verdana, Tahoma) empfohlen. Der Kontrast zwischen Untertitelfarbe und Hintergrund sollte möglichst stark sein; ein durchscheinender Balken am unteren Bildschirmrand kann diesen Kontrast sicherstellen, ohne das Video zu verdecken.
Textmenge und Lesezeit
Eine Textzeile sollte höchstens 30 bis 37 Zeichen umfassen, nicht mehr als zwei Zeilen gleichzeitig. Für eine Sekunde Lesezeit werden 13 bis 15 Zeichen berechnet, also etwa 2,5 bis 3 Sekunden für 37 Zeichen. Die Standzeit kann länger sein, sollte aber 6 bis 8 Sekunden nicht überschreiten, eine längere Standzeit ist sinnvoll bei Videos für Kinder oder mit vielen Schnitten. Animierter Text sollte sich immer in Leserichtung bewegen. Die Untertitel-Richtlinien der BBC, die in der audiovisuellen Branche weit verbreitet sind, legen sehr ähnliche Werte fest: höchstens 37 Zeichen pro Zeile und eine Referenz-Lesegeschwindigkeit von etwa 160 bis 180 Wörtern pro Minute.
Wie erstellt man Untertitel?
Dank automatischer Spracherkennung lassen sich Untertitel heute schnell erstellen. Werkzeuge wie Whisper, etwa über die App MacWhisper, transkribieren den Ton lokal auf dem Gerät, ohne die Daten online zu verarbeiten. Auch YouTube Studio und die Meta Business Suite bieten eine automatische Transkription an, selbst wenn das Video nicht auf diesen Plattformen veröffentlicht wird, und ermöglichen den Export im Format .srt, dem gängigsten Untertitel-Dateiformat. Unabhängig vom verwendeten Werkzeug enthält die automatische Transkription fast immer Erkennungsfehler sowie Fehler bei Groß- und Kleinschreibung oder Interpunktion: Sie muss vor der Veröffentlichung immer überprüft und korrigiert werden.
Quellen
- Untertitel bei Videos – Bundesfachstelle Barrierefreiheit
- Untertitel für barrierefreie Inhalte – Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik
- Untertitel, Akzent.lu
- BBC Subtitle Guidelines, BBC

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